Mustern - Semesterarbeit Oliver Benz, 5D

Abstract
Mein Ziel war es, eine Arbeit zu erstellen, welche ganz unauffällig ist. Etwas einfaches. Etwas Langweiliges, wenn man so möchte. Wenn sich der Betrachter aber etwas Zeit nimmt wird er erkennen, wie speziell die Arbeit eigentlich ist. Wenn man sich die Zeit nimmt, dieses ganz unauffällige und langweilige Werk zu studieren, wird man die Message dahinter verstehen können. Wer mein Werk nur flüchtig mustert, wird es nicht schätzen. Wer sich aber die Zeit nimmt, stehen zu bleiben und es genauer in Betracht zu nehmen wird etwas daraus mitnehmen können. Man könnte sagen mein Werk ist eine Art soziales Experiment. Nur wer sich nicht zu schade ist für ein scheinbar langweiliges und eintöniges Werk kurz stehen zu bleiben, wird es verstehen können. Alle die ein wenig Zeit in das Betrachten meines Werkes investieren, werden etwas zurückbekommen. Wer nicht bereit ist Zeit zu geben, wird auch nichts retourniert bekommen.
Kontext
Jedes Mitglied der Gesellschaft verspürt einen Drang danach, einzigartig zu sein. Man möchte, dass andere sehen, was man kann und wie großartig man ist. Aber in der Öffentlichkeit aufzufallen will man tunlichst vermeiden. Täglich mustern wir andere Personen und werden von einem Haufen anderer gemustert. Wir überlegen uns, wie wir uns präsentieren wollen. Wir nehmen uns Beispiele bei anderen, wie wir sein oder gerade eben nicht sein wollen. Wir probieren uns zu tarnen in der Menge. Möglichst nicht auffallen. Aber trotzdem ist der Wunsch da, dass andere etwas in uns sehen, was nicht alle sehen. Man möchte einzigartig sein aber nicht auffallen. Etwas Eigenes sein aber sich ja nicht anders anziehen oder anders verhalten. Etwas ironisch, nicht?
Ich gebe mir die Mühe, meine Mitmenschen nicht zu verurteilen, sondern ihren Gedankengang zu verstehen. Ich sehe täglich so viele Menschen und werde die meisten davon wieder vergessen. Wenn ich mir aber die Zeit nehme, einen Menschen genauer kennenzulernen, wird er mir im Sinn bleiben. Und ich schätze die Menschen um mich herum, die sich die Zeit nehmen, mich zu verstehen. Denn dies sind die Menschen, welche mir etwas bedeuten.
Ich und viele andere ebenfalls, probieren nicht aufzufallen. Man möchte nicht aus der Masse herausstechen. Und trotzdem ist der Wunsch da, anerkannt zu werden.
Manchmal schaue ich auf eine Menschenmasse hinunter. Das kann an einem Festival, in der Badi oder auch einfach nur im Stau auf der Autobahn sein. Niemand sticht hinaus, aber alle sind sie einzigartig.
Prozess
Zur Themenfindung habe ich mich hingesessen und Mindmaps erstellt. Ich hatte keine genaue Absicht und wusste nicht, mit welchem Thema sich mein Projekt befassen sollte. Diese beiden Mindmaps sind dabei herausgekommen:
Nach dem Erstellen dieses ersten Mindmaps wusste ich zwar immer noch nicht, mit welchem Thema ich mich beschäftigen werde, doch ich wusste, dass es ein Häkelprojekt sein wird. Ich bin gerne am Häkeln und das motivierte mich, ein tolles Projekt zu kreieren. 
Nach diesem zweiten Mindmap wusste ich, dass ich ein Tierportrait häkeln möchte. Ich wusste jedoch noch nicht welches Tier. 
Nach etwas Brainstorming entschied ich mich für das Chamäleon. Das Chamäleon ist das perfekte Motiv für mein Werk. Diese Tiere können sich tarnen wie kein zweites. Sie passen in jedes Bild. Der Wunsch eines jeden Menschen. Überall teilhaben zu dürfen und überall dazu zu gehören. Überall ins Bild passen. Somit entstand die Verbindung zwischen dem Gesellschaftlichen Kontext und dem Tier.
Ich habe mir aus einem Bild eines Chamäleons auf einem Ast dieses Raster erstellen lassen. Ich wollte es möglichst einfach bei drei Farben belassen. Es sollte simpel und nicht auf den ersten Blick erkennbar sein. Damit es trotzdem einigermassen erkennbar werden sollte, habe ich das Raster auf 100x100 Maschen erstellt.
Die bunten Linien sind vom Prozess. Ich habe mit meinem Stift hineingemalt, um Zählfehler zu vermeiden und den Faden nicht zu verlieren. Es hat immens geholfen.
Mithilfe von viel Geduld und einigen Folgen Netflix habe ich fleissig gehäkelt und habe insgesamt um die 40 Arbeitsstunden ins Portrait gesteckt. Es brauchte viel Konzentration und Fleiss.
Reflexion
Ich gebe mich sehr zufrieden mit dem Resultat. Es ist etwas in die Länge gestreckt, aber man erkennt das Chamäleon und es ganz in Ordnung aus. Wie am Anfang erwähnt war mein Ziel etwas Unauffälliges zu kreieren, was aber nach näherem Betrachten eigentlich ganz einzigartig ist. Dies ist mir meiner Meinung nach gelungen. Ich bin zufrieden und habe bis jetzt nur positives Feedback erhalten. Ich bin schon auch etwas stolz, dass ich dieses Projekt durchgezogen habe. Es war mühselig und nervig andauernd die Farbe zu wechseln und gleichzeitig mich nicht zu verzählen. Aber ich habe es gemeistert und bin stolz darauf.
Praktisch war, dass ich das Handwerk bereits im Griff hatte und auch überzeugt davon war, dass ich es kann. Hätte ich etwas gemalt oder gezeichnet wäre ich ständig in Selbstzweifel verfallen oder wäre nicht zufrieden gewesen.
Nächstes Mal würde ich ein einfacheres Muster wählen und könnte den Zeitaufwand besser einschätzen. Ich habe für eine Reihe zum Teil bis zu einer halben Stunde gebraucht. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich es noch grösser machen damit ein noch flüssigeres Bild entsteht.