Semesterarbeit Bildnerisches Gestalten

Licht im Dunkel der Energiekrise

Von Alexander Hostettler und Tobias Gehrig

Abstract:

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt darauf, dass wir Erfahrungen in einem neuen Spektrum der Kunst sammeln und eine Aussage zu unserem digitalen Dasein, sowie zu der Energiekrise, welche uns momentan durch den Ukraine Krieg heimsucht, zu machen.

Der Prozess umfasste mehrere Schritte, bei denen verschiedene Ideen und Entwürfe entwickelt und evaluiert wurden. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden verwendet, um die Gestaltung weiter zu verfeinern und ein endgültiges Schlussprodukt zu entwickeln. Die Dokumentation der Abläufe stand ausserdem auch sehr zentral.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein Fotocollage aus Bildern, welche wir mit Hilfe von "Light Painting" gestaltet haben. Die Bilder haben alle einen persönlichen, aber auch einen gesellschaftlichen Bezug.

Prozess:

Ausgangslage:

Unsere Ausgangslage war eine Semesterarbeit für das Fach „Bildnerisches Gestalten“ zu erstellen. Bereits recht früh im Prozess der Themenfindung wurde uns klar, dass wir beide gerne mit der Methode des «Light Paintings» arbeiten wollten. Da dies einzeln praktisch unmöglich umzusetzen ist, haben wir beschlossen die Arbeit zu zweit zu gestalten.

Themenfindung:

Double Click Doch mit der Entscheidung, wie wir unser Projekt nun umsetzen wollten, war nur der erste Schritt getan. Nun ging es an die Themenfindung. Da wir beide zuvor noch nie mit Light Painting gearbeitet hatten und nur eine grobe Idee von dem hatten, was alles mit Light Painting möglich war, beschlossen wir uns also dazu, zunächst Inspiration aus dem Internet zu suchen. Dabei stiessen wir auf folgende Bilder, welche uns bei der Gestaltung unseres Moodboards helfen sollten:

Moodboard:

Nachdem wir die obigen Bilder analysiert hatten, stellten wir ein Moodboard auf. Auf diesem kann man sehen, wie wir mit mehreren Gedanken gespielt haben, wie zum Beispiel einem Stop-Motion-Film, für den wir allerdings einerseits zu wenig Erfahrung im Light Painting hatten und ebenfalls kaum Erfahrung im Ablichten von Stop-Motion hatten. Diese Idee hätte einfach eine professionellere Ausrüstung, sowie viel besseres Know-How vorausgesetzt.
Schlussendlich einigten wir uns auf das Hauptthema Energiekrise, wobei wir unsere Bilder in einer eher futuristischen „Cyberpunk“ Ästhetik anlegen wollten und somit eine eigene kleine dystopische Zukunftsvision erschaffen. Der Gedanke soll weiterführen, was passieren könnte, wenn die Energiekrise in unserer zunehmend digitalen Welt anhalten würde und wie sich die Probleme, welche wir bereits jetzt durch zu grossen Stromverbrauch haben, entwickeln würden.

Kontext:

Dieses Thema der Energiekrise wählten wir, da es zu der Findung unseres Themas einen recht grossen Teil der Berichterstattung der Medien einnahm und wir daher die Situation sehr präsent hatten.

Das anschliessende Dichten einer dystopischen Zukunft wurde wohl von unserer Englischlektüre inspiriert; Phillip K. Dicks Science-Fiction Thriller „Do Androids Dream Of Electric Sheep“, welches die Buchvorlage des Filmklassikers „Blade Runner“ von Ridley Scott ist, und welches somit das gesamte Cyberpunk Sub-genre ins Leben rief.

Somit kamen uns mehrere Ideen, ein Zukunftsszenario zu kreieren. Ein Szenario in welchem die digitale, industrielle Welt einen höheren Wert als die Natur, und sogar als der Mensch, einnimmt. Eine Welt, in der die Unterhaltung der Massen unendlich fortgeführt werden muss, ganz gleich, welche Mittel dafür angewendet werden müssen.

Dokumentation des Prozesses:

Doch wie funktioniert Light Painting überhaupt?

Light Painting ist eine Technik, bei der Langzeitbelichtung verwendet wird, um Lichtspuren in einem Bild zu erzeugen. Es ermöglicht einem also, mit Licht zu malen und einen einzigartigen visuellen Effekt zu erzeugen.

Die Voraussetzungen für ein gutes Light Painting Projekt sehen wie folgt aus:

-Man benötigt eine Kamera, welche man auf eine unbegrenzte Belichtungszeit einstellen kann. Häufig wird diese Einstellung auch "Bulb-Modus" genannt.

-Light Painting funktioniert am besten in einer dunklen Umgebung, da das Umgebungslicht die Lichtspuren ansonsten überstrahlt. Es macht also Sinn in einem Raum mit minimaler Beleuchtung zu arbeiten, wie in unserem Fall im Keller der Kantonsschule.

-Da man mit Langzeitbelichtungen arbeitet, ist ein stabiles Stativ erforderlich, um jegliche Verwacklungen zu vermeiden.

-Etwas nicht Erforderliches, jedoch sehr empfehlenswertes, ist ein Fernauslöser oder eine Kabel-Fernbedienung, um die Kamera ohne Erschütterung auszulösen. Bei unserer Arbeit nutzten wir eine App auf unserem Handy, welche uns ermöglichte von überall aus die Bildaufnahme zu starten und dann auch zu beenden. Dies ist ausserdem sehr praktisch, da bei manchen Kameras im Bulb-Modus vorausgesetzt wird, dass man den Auslöser gedrückt hält, was bei langanhaltenden Aufnahmen einfach nicht möglich ist.

-Um die Farbspuren zu erzeugen kann man verschiedene Lichtquellen, wie Taschenlampen, LED-Leuchten oder auch Glühbirnen nehmen. Für uns schien es aber am besten mit den LED-Leuchten zu funktionieren (siehe Abb. 5).

-Sobald die Aufnahme gestartet wird, bewegt man seine Lichtquelle vor der Kamera, um Linien, Muster und Formen zu erzeugen. Man kann auch Objekte mit Licht beleuchten, indem man die Lichtquelle darauf richtet. Durch ein gutes Timing erzeugt dies bei sich bewegenden Objekten einen geisterhaften, holografischen Effekt.

-Da Light Painting eine künstlerische Technik ist, ist es natürlich auch wichtig kreativ zu sein. Man sollte mit verschiedenen Bewegungen in verschiedenen Tempi und Lichtquellen arbeiten, um einzigartige Effekte zu erzielen.

-Schlussendlich für den Feinschliff wäre es empfehlenswert, die Bilder noch in einer Bildbearbeitungssoftware wie Adobe Photoshop weiter zu bearbeiten um Farbe, Kontrast oder andere Effekte anzupassen.
 
Hier haben wir, um den Prozess aufzeigen zu können, noch ein kleines Beispielbild kreiert. Zwar sieht man auf dem Video aufgrund der Dunkelheit nicht viel, allerdings kann man das kurze, rote Blinken der Kamera und die Bewegungen der LED-Leuchte erkennen. 

Das Endprodukt dieser Übung sieht wie folgt aus:

Fazit:

Obwohl unser Arbeitsprozess sehr flüssig voranging, da wir ganz am Anfang bereits jede freie Lektion vorgeplant haben, sind wir natürlich auch auf viele Hürden gestossen.

Wie wir schon mehrmals geschildert haben, war es vor allem am Anfang sehr schwer sich ins Light Painting einzuarbeiten, da wir absolut keine Vorkenntnisse hatten. Dadurch, dass wir ziemlich stark an die Unterrichtsstunden gebunden waren, da wir keine eigene Ausrüstung besitzen bzw. passende Orte in der Umgebung hatten, konnten wir auch nicht einfach zu Hause unsere Ideen ausprobieren. Logischerweise ging dann Anfangs viel Zeit für Auf- und Abbau, sowie das ganze Ausprobieren drauf. Ein Problem, welches uns überhaupt erst während den Übungsphasen auffiel, ist die Verarbeitungszeit der Kamera. Unsere kleine Kamera musste immer sehr viele Daten aufnehmen und Verarbeiten, was einfach viel Zeit in Anspruch nahm und auch das Momentum während dem Arbeiten stark unterbrochen hat. Nimmt man im Bulb-Modus für drei bis vier Minuten auf, wartet man mindestens nochmals so lange, bis das Bild dann tatsächlich zum Vorschein kommt. Dass das Bild dann auch noch gelungen ist, ist natürlich auch nicht garantiert. So hat man schnell durch kleine Fehler zehn Minuten ver-schwendet.

Sehr positiv war jedoch der Fakt, dass wir zu zweit gearbeitet haben. Es waren beide sehr zuverlässig und haben auch mehrmals die Unterrichtszeit überzogen, um an dem Projekt zu arbeiten. Besonders während der Entstehung der Bilder, sowie der Endphase war das Aufteilen der Arbeit sehr erleichternd und vorteilhaft.

Weniger gut war allerdings, dass wir unsere technischen Fähigkeit am Anfang weit über-schätzt hatten. Da wir nur theoretisch wussten wie Light Painting funktioniert und sehr viele hochwertige und professionelle Bilder im Internet sahen, mussten wir auch viele gute Ideen in den Sand setzen, nachdem wir sie versucht haben umzusetzen.

Abschliessend können wir mit Bestimmtheit sagen, dass Light Painting sehr leicht sein kann, wenn man nur simple Bilder machen will, jedoch gibt es sehr viel Luft nach oben und die Möglichkeiten sind beinahe grenzenlos. Wir konnten aber ein gutes Fachwissen zu dieser Technik uns erarbeiten, sowie eine äusserst zufriedenstellende Collage zu unserem Thema erstellen.

Flucht:

Bei unserem ersten Bild geht es vor allem um das Versinken in der digitalen Welt und wie die Realität an einem wie im Fluge vorbeizieht, dass sie nur noch schemenhaft wahrzunehmen ist. Das besondere an diesem Bild ist, dass wir uns nur an einem unserer Light Painting Beispiele inspiriert haben und keine Skizze anfertigen mussten.

Energie:

Beim diesem Bild geht es mehr um die dystopische Zukunftsvision, welche wir übermitteln wollten. Hierbei liegt der Fokus mehr auf der Bedeutung des Bildes und weniger um die technische Umsetzung. Es spiegelt zwei Kernaspekte unseres Zukunftsszenarios wider. Einerseits die alternativen Methoden an Energie zu gelangen und andererseits um die Ausbeutung der Menschen innerhalb dieser Welt, in der die Energie und Unterhaltung der Massen an oberster Stelle, noch über dem Wohl der Menschen, liegt.

Unterhaltung:

Dieses Bild steht in direktem Zusammenhang zu unserem Zweiten. Man kann sowohl die erste, als auch die zweite Bedeutung fortführen, je nach dem wie man die bläuliche Energie deutet. 
So handelt es sich hierbei entweder um Energie bzw. Strom oder um Unterhaltung und die Ablenkung der Massen, welche die Aussenwelt ausblendet und deren Welt nur vom Licht genau dieser Unterhaltung erhellt wird.

Zerstörung:

Bei unserem letzten Bild geht es vor allem um die Farbgebung und um das Aufbauen der Welt rund um unsere Zukunftsvision. Die Farben sind absichtlich rot und grün gewählt, da diese jeweils etwas anderes Repräsentieren. Das Grün steht hier für die Natur, welche verzweifelt versucht, sich in dieser Zukunft durchzusetzen, und das rot steht erneut für die Sozialen Strukturen und die Gier von uns Menschen, welche uns dazu bringt, alles zu Opfern um Energie für unser digitales Dasein generieren zu können.